Es klingt paradox, ist aber die häufigste Todesursache bei Zimmerpflanzen: zu viel Liebe in Form von zu viel Wasser. Wer versteht, was beim Gießen in der Erde passiert, macht ab sofort fast alles richtig.
Wurzeln brauchen Luft
Pflanzenwurzeln nehmen nicht nur Wasser auf — sie atmen auch. In dauerhaft nasser Erde verdrängt das Wasser die Luft aus allen Poren, die Wurzeln ersticken und beginnen zu faulen. Von oben sieht das zunächst aus wie Wassermangel: schlaffe, gelbe Blätter. Wer dann noch mehr gießt, verschlimmert das Problem. Deshalb gilt: Erst prüfen, dann gießen.
Der Fingertest — zuverlässiger als jeder Kalender
Feste Gieß-Tage („jeden Sonntag") passen selten, denn der Wasserbedarf hängt von Jahreszeit, Standort, Topfgröße und Pflanze ab. Zuverlässiger ist der Fingertest: zwei Zentimeter tief in die Erde — fühlt es sich trocken an, ist Gießen dran. Fühlt es sich feucht an, warte noch ein paar Tage. Mit der Zeit bekommst du ein Gefühl dafür, auch am Gewicht des Topfes: trockene Erde ist erstaunlich leicht.
Durchdringend gießen statt täglich nippen
Wenn du gießt, dann richtig: so viel, dass Wasser unten aus dem Abzugsloch läuft. So wird der ganze Wurzelballen feucht, nicht nur die Oberfläche. Das überschüssige Wasser im Untersetzer nach einer Viertelstunde wegkippen — dauerhaft nasse Füße mag kaum eine Pflanze. Danach darf die Erde wieder in Ruhe abtrocknen.
Sommer ist nicht Winter
Im Frühjahr und Sommer, wenn Pflanzen aktiv wachsen und viel Licht bekommen, brauchen sie deutlich mehr Wasser. Im Winter fahren die meisten Zimmerpflanzen herunter — dann reicht oft ein Bruchteil. Wer im Dezember noch im Sommer-Rhythmus gießt, produziert zuverlässig Staunässe.
Der entspannte Kern
Im Zweifel lieber einen Tag zu spät gießen als einen Tag zu früh: Von kurzer Trockenheit erholen sich die meisten Pflanzen problemlos, von Wurzelfäule nur selten. Und wenn eine Pflanze trotz allem dauerhaft kümmert, schau dir die Wurzeln an — oder lass im Pflanzenfachgeschäft draufschauen, die helfen gern.